Ausbildung
 
 

Zwei Hundetrainer treffen sich.
Das Thema Ihrer Unterhaltung wird die Unfähigkeit des dritten.

Hundeerziehung und -ausbildung ist menschliche Einwirkung auf einen Hund mit Ziel, dem Hund ein möglichst konfliktarmes Leben in der menschlichen Gesellschaft zu ermöglichen und ihn zu befähigen, die von ihm erwarteten spezifischen Aufgaben dabei zu erfüllen.

Als Grundlage für eine gelungene Erziehung und Ausbildung ist es erforderlich, dass es klare Vorstellungen darüber gibt, was der Hund können soll, dass Handlungen und Aufgaben immer gleich definiert sind und Gewohnheiten ausgebildet werden.

Durch Erziehung und Ausbildung werden die natürlichen Eigenschaften und Anlagen des Hundes in bestimmte Richtungen gelenkt und absichtlich gefördert oder gehemmt. So ist ein Ziel, dass der Hund in bestimmten Situationen, beziehungsweise auf Hör- oder/und Sichtzeichen immer das gleiche gewünschte Verhalten zeigt.

Seit dem 28.03.2006 finden bei uns erfolgreich Erziehungskurse nach dem Augsburger - Modell statt.

Ursprünglich wurde das Augsburger Modell vom Verein für Deutsche Schäferhunde e.V. mit Sitz in Augsburg ins Leben gerufen. Es beschreibt eine Form der Hundeausbildung für alle Hunde (nicht rassenspezifisch) zum Familien- und Begleithund. Es wird für Hunde ab einem Alter von sechs Monaten angeboten und schließt sich idealerweise an den Besuch der Welpenschule an.

Das Augsburger Modell ist Grundlage für weiterführende Ausbildungen, da es den Hund die Leinenführigkeit lehrt (freies Laufen bei durchhängender Leine) sowie die Kommandos Sitz, Platz, Fuß und Bleib.

Darüber hinaus schult es den Hundehalter im täglichen Umgang mit seinem Hund und lehrt das Verständnis für dessen Verhalten, Eigenarten und Bedürfnisse.

Am Ende von jedem Lehrgang besteht die Möglichkeit, eine Prüfung abzulegen.

Unser 6.000 m² großes Übungsgelände entspricht in seiner Ausstattung dem geforderten Standard eines Übungsplatzes, der für alle Übungen zur Gruppenarbeit, Schutzdienst und den Prüfungsarbeiten benötigt wird.






Grundlagen


Eine erfolgreiche Erziehung baut auf der Anwendung einiger Regeln auf. Hunde lernen am schnellsten und sichersten durch positive Verstärkung, also Belohnung durch Leckerbissen, Loben, Spielen oder Streicheln sofort nach Ausführen einer vom Besitzer gewünschten Handlung.

Sehr wichtig ist, dass Belohnung (und auch Strafe) unmittelbar nach der „Tat“ geschehen, schon zwei Sekunden Verzögerung sind für den Hund zu lang, um Tat und Wirkung zuordnen zu können und einen Zusammenhang mit seiner Handlung zu erkennen.

Gelobt wird mit hoher, freundlicher Stimme, Spielen oder Leckerli. Auch Bestrafung erfolgt mit der Stimme – in einem Tonfall, an dem der Hund unseren Unmut erkennt, aber nicht durch Anschreien des Tieres. Eine geeignete „Strafe“, besser Zurechtweisung, ist ein energisches scharfes Ansprechen und beispielsweise die Worte „Pfui“, „Aus“ oder „Nein“.

Keine körperliche Gewalt

Wut und Zorn haben in der Hundeerziehung keinen Platz, man erreicht damit nicht den gewünschten Erziehungserfolg. Eine erfolgreiche Hundeerziehung schließt generell eine Bestrafung durch Schläge oder Tritte aus, körperliche Gewalt versetzt den Hund nur in Angst und verringert seinen Gehorsam.

Weder Hund noch Halter ist damit gedient, wenn gesellschaftlich nicht akzeptables Verhalten wie

Ziehen an der Leine,
Anspringen Fremder,
Nichtfolgen beim Heranrufen

und Weiteres geduldet werden.

Der Hund braucht einen Hundeführer, der ihm in für ihn verständlicher Form sagt und bedeutet, was er zu tun und zu lassen hat, gerecht, gewaltfrei und – vor allem – konsequent.



Früher Beginn


Wichtig bei Welpen ist die frühe Sozialisation, d. h. die Gewöhnung an Umgebungsreize, z. B. an Kinder, andere Tiere, an das Autofahren, Bahnfahren, Stadt- und Landgeräusche und Bewegungen, damit der erwachsene Hund später auf solche Reize nicht panisch oder aggressiv reagiert.

Hunde sollten jedoch mit Kindern niemals ohne Aufsicht allein gelassen werden.

Ein Hund sollte idealerweise bereits als Welpe spielerisch und mit viel positiver Verknüpfung, d. h. Belohnung, lernen und erfahren, dass er zu gehorchen hat und nicht er, sondern sein Halter in jeder Situation der „Boss“ ist.
Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass nicht auch ältere Hunde zu erziehen sind.

Lernen durch Wiederholung


Der Hund versteht unsere Sprache nicht als Sprache, sondern als Tonfolge. Er lernt die entsprechenden Tonfolgen mit einem entsprechenden Verhalten zu verknüpfen, deshalb ist es für den Hund in der Trainingsphase sehr wichtig, dass die Kommandos immer in derselben Form gegeben werden, für eine bestimmte gewünschte Handlung also immer dasselbe Kommandowort im gleichen Tonfall.
Dies sollte von jedem, der den Hund führt, geübt werden.

Hunde brauchen viele Wiederholungen, um den gelernten Inhalt zu festigen. Gängige Meinungen sprechen hier von 50 bis 200 Übungen pro Kommando (während der gesamten Trainingszeit), bevor das neu Erlernte sicher sitzt.

Hunde sind Gewohnheitstiere, wenn man z. B. den Hund beim Verlassen des Hauses immer an derselben Stelle anleint (im Sitz oder im Platz), wird er irgendwann von selbst an dieser Stelle sitzend auf sein Herrchen/Frauchen und die Leine warten.

Allerdings gehört zu einer erfolgreichen Erziehung und wesensmäßigen Stabilisierung, dass dem Hund auch Abwechslung geboten wird, da gerade die heutigen Stadthunde oft sehr gelangweilt und unterfordert sind.
Abwechslung bedeutet auch beispielsweise, den täglichen Spazierweg zu variieren, nicht ständig dieselben Strecken zu benutzen. Denn auch durch das Aufnehmen neuer Reize wird der Hund und sein Leistungsvermögen gefordert. Was nicht in vernünftigem Maße gefordert wird, verkümmert.

Auf der anderen Seite ist natürlich auch eine Überforderung schädlich.
Die Dauer der einzelnen Trainingsabschnitte variiert von Hund zu Hund und ist abhängig von Alter, Wesen etc. des jeweiligen Hundes.
Um eine Überforderung zu vermeiden, sollte man die Ausbildung mit mehreren kurzen Einheiten täglich beginnen und sich langsam steigern.

Ebenfalls zu beachten gilt, dass der Hund motiviert bleibt, also Freude am Lernen behält. Daher ist ausgedehntes Loben und Belohnen (Leckerli) nach gut ausgeführten Übungen sehr wichtig.

Führt man ein neues Kommando ein, das noch nicht einwandfrei funktioniert, oder verlieren Halter oder Hund die Lust an der Übung, so beendet man die Übung mit einem Kommando, das der Hund beherrscht und lockert ihn anschließend durch z. B. Spielen auf, damit die Erziehungseinheiten dem Hund als gutes Erlebnis in Erinnerung bleiben.



Belohnung

Die Belohnung bewirkt, dass ein Verhalten in Zukunft häufiger gezeigt werden wird.
Auch nur eine Positionsverbesserung wird als Belohnung empfunden.
Es muss nicht immer das Triebziel erreicht werden.

Positive Belohnung
, Verstärkung erfolgt mit dem Hinzufügen einer angenehmen Konsequenz.

Negative Belohnung
, Verstärkung erfolgt durch Abschalten eines unangenehmen Reizes.

Bestrafung

Die Bestrafung bewirkt, dass ein Verhalten in Zukunft seltener gezeigt werden wird.
Dabei bedarf es nicht immer einer Korrektur des Verhaltens.
Allein, dass ein Verhalten keine lustvollen, angenehmen Folgen hat, bewirkt eine verminderte Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieses Verhaltens.

Positive Bestrafung, eine bestimmte Handlung hat einen unangenehmen Reiz als Folge.

Negative Bestrafung, eine bestimmte Handlung hat das Entfernen eines positiven Reizes als Folge.



Positives Lernen

Der Hund macht, was er soll und wird mit Lob, Futter oder Beute bestätigt (positive Verstärkung).

Der Hund macht nicht, was er soll und das Verhalten wird ignoriert, es erfolgt keine Bestätigung (negative Bestrafung).

Der Vorteil wird in der Ausstrahlung des Hundes gesehen.

Der Nachteil darin, dass es keine Absicherung des Verhaltens gibt, welche gewährleistet, dass das gewünschte Verhalten auch unter ungünstigen Bedingungen gezeigt wird.

Negatives Lernen

Der Hund bekommt kleine Einwirkungen, bis er macht, was der Hundeführer will.
Dann hört die Einwirkung auf (negative Belohnung).

Der Hund macht nicht, was der Hundeführer will.
Es erfolgt eine Einwirkung (positive Bestrafung).

Der Vorteil soll sein, dass das Verhalten des Hundes abgesichert ist, also auch unter ungünstigen Umständen gezeigt wird.

Der Nachteil ist die leidende Ausstrahlung des Hundes.


Kombination der Lernsysteme

Beim jungen Hund erfolgen geringe Einwirkungen, bis dieser macht, was der Hundeführer will.
Dann hören die Einwirkungen auf = 1. Bestätigung für richtiges Handeln im Sinne der negativen Belohnung.

Zusätzlich gibt es danach z. B. Futter = 2. Bestätigung für richtiges Handeln im Sinne der positiven Belohnung.

Macht der Hund nicht, was der Hundeführer will, folgt eine Einwirkung im Sinne von Bestrafung.

Der Vorteil der Kombination soll sein, dass der Hund lernt, mit kleinen unangenehmen Einwirkungen umzugehen. Dadurch wird der Hund belastbarer (Stresstoleranz). Die Erscheinung des Hundes hat so Ausstrahlung und das Verhalten ist abgesichert.

Eigenschaften und Veranlagungen des Hundes

Für den Familien-, Sport- und Diensthund sind folgende Eigenschaften und Veranlagungen des Hundes, früher auch Triebanlagen, Triebbereiche oder Funktionsbereiche genannt, bedeutsam.

Beuteverhalten

Der Beuteverhalten ist dem Funktionskreis der Nahrungsaufnahme zugeordnet. Der Schlüsselreiz, welcher einen Hund zum Beuteverhalten animiert, ist Bewegung.
Beute läuft immer panikartig vom Hund weg, ist immer in Bewegung. Instinktiv, also automatisch und ohne darüber nachdenken zu müssen, wird der Hund die Beute verfolgen, sie anspringen ggf. zubeißen und die Beute niederreißen.
Die Beute wird getragen, der Beutetrieb ist befriedigt, da das Treibziel erreicht ist.

Beuteverhalten kann durch Lernen gehemmt oder gefördert werden.
Es unterliegt aber einer und aktionsspezifischen und reizspezifischen (durch Gewöhnung) Ermüdung.
Das kann, z. B. für den Diensthund, von Nachteil sein.

Beuteverhalten lässt den Hund schnell lernen.
Beuteverhalten gibt dem Hund Sicherheit (wer verfolgt, hat die Initiative und dominiert) und macht ihn schnell.

Auslösender Reiz: Bewegungen
Instinktverhalten: Fixieren, verfolgen, anspringen, zubeißen und halten.
Triebziel: Beute tragen, besitzen, Ruhe


Wehrverhalten

Das Wehrverhalten gehört zum Funktionskreis des Aggressionsverhaltens. Zeichen für Wehrverhalten sind drohen, fixieren, die aggressive Abwehr und das Zubeißen.
Der Schlüsselreiz für Wehrverhalten ist eine psychische oder physische Bedrohung des Hundes oder offene Aggression.
Ziel des Verhaltens ist es, beim Bedrohenden ein Meideverhalten zu erzeugen. Ein Beschädigungskampf soll vermieden werden.

Das Wehrverhalten unterliegt keiner reizspezifischen oder aktionsspezifischen Ermüdung, das heißt, es ist ständig aktivierbar.

Die Motivation zu Wehrverhalten ist verschieden.
Im Funktionskreis der Nahrungsaufnahme kann Wehrverhalten als Beute bewachen und verteidigen auftreten.
In sozialen Bereichen dient Wehrverhalten der Festlegung von Rangordnungen, dem Wahren von Privilegien, territorialer Ansprüche oder der Notwehr bei Ausweglosigkeit der Situation.

Das Wehrverhalten steht dem Meideverhalten gegenüber.
Beide Verhaltensweisen haben den gleichen Schlüsselreiz und sind unter anderem abhängig vom Selbstbewusstsein des Tieres, dem Auftreten des Bedrohenden, dem Alter, von Erfahrungen, Umweltreizen und kritischer Distanz sowie Fluchtdistanz.

Meideverhalten

Es steht im Gegensatz zum Wehrverhalten.
Es wird ebenfalls durch eine psychische oder physische Bedrohung bzw. offene Aggression als Schlüsselreiz ausgelöst.
Das Ziel dieses Verhaltens ist die Sicherung der eigenen körperlichen Unversehrtheit. Der Hund will sich in Sicherheit bringen vor bedrohlichen Ereignissen oder Feinden.
Als Verhalten zeigt der Hund Flucht, Deckung suchen, verkriechen, das Unterlassen einer begonnenen Handlung sowie Demuts- und Unterwerfungshandlungen.

Das Meideverhalten unterliegt ebenfalls keiner reiz- und aktionsspezifischen Ermüdung.
Es ist jederzeit aktivierbar.
Meideverhalten spielt daher eine wichtige Rolle in der Unterordnung.







 
 
 
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